Diese Seiten beinhalten Archivinformationen und werden ab dem 31.12.2011 nicht mehr aktualisiert (Laufzeit des GRK: 1.10.2005 - 31.3.2012).


Projekt J: Motivationale Bedingungen und Auswirkungen naturwissenschaftlichen Lernens

BetreuerInnen:
Prof. S. Bögeholz, PD. D. Grube

Fragestellung und Ziele
Das Ziel des interdisziplinären Projektes an der Schnittstelle von Pädagogischer Psychologie und Biologiedidaktik ist es, Ansätze zur Förderung von Interesse im Biologieunterricht aufzuzeigen und empirisch zu fundieren. Im Fokus der Arbeit stehen die folgenden Forschungsfragen:

  • Für welche naturwissenschaftlichen Kontexte und Tätigkeiten interessieren sich Jugendliche?
  • Wie wirkt sich das Ausführen von hands-on Tätigkeiten auf das Interesse aus?
  • Welche Rolle spielt das emotionale Erleben für die Interessenentwicklung?

Die pädagogisch-psychologische Interessentheorie stellt den theoretischen Rahmen der vorliegenden Arbeit dar (vgl. Hidi & Renninger, 2006; Krapp, 2005). In dieser wird Interesse als eine Person-Gegenstands-Beziehung konzeptualisiert (z.B. Krapp, 2005; Krapp, Hidi & Renninger, 1992; Krapp & Prenzel, 1992). Dementsprechend handelt sich um ein motivationspsychologisches Konstrukt, das aus der Interaktion einer Person mit einem bestimmten Gegenstand seiner Umgebung entsteht (z.B. Hidi, 2006; Hidi und Renninger, 2006; Krapp, 2003).

Die Interessen der Schüler(innen) sind von großer Bedeutung für das schulische Lehr- und Lerngeschehen, da diese sowohl den Prozess des Lernens als auch die schulische Leistung beeinflussen (vgl. Hidi, 1990; Krapp, 2002). Interessen stellen somit eine zentrale motivationale Grundlage effektiven Lehrens und Lernens dar (Krapp, 2005). Gerade auf Grund der hohen Relevanz des Interesses für das Unterrichtsgeschehen ist es umso schwerwiegender, dass sich fächerübergreifend im Laufe der Schulzeit eine Abnahme der durchschnittlichen schulischen Interessen nachweisen lässt (vgl. Krapp, 2002). Auch das durchschnittliche Interesse am Fach Biologie nimmt im Laufe der Schulzeit ab (Löwe, 1987, 1992). Aus biologiedidaktischer Perspektive stellt sich daher die Frage, wie das Interesse der Schüler(innen) an biologischen Themen und Tätigkeiten in der Sekundarstufe aufrechterhalten und gefördert werden kann. Da Interessen in der empirischen Bildungsforschung lange Zeit vor allem als Prädiktor schulischer Leistung untersucht wurden, resultierten nur wenige konkrete Ratschläge oder Handlungsanweisungen für Lehrende, wie sie das Interesse der Schüler(innen) wecken und halten können (Bergin, 1999). Auch gingen Lehrende oftmals davon aus, dass Schüler(innen) relativ stabile Interessen haben, die von ihnen in ihrer Entwicklung nicht beeinflusst werden können (Lipstein & Renninger, 2006). Mittlerweile ist jedoch das Bewusstsein gestiegen, dass Lehrer(innen) durch die Auswahl bestimmter Unterrichtsthemen und -methoden bestehende Interessen der Heranwachsenden mobilisieren und neue Interessen wecken können (Hidi, 1990; Hidi, Weiss, Berndorff & Nolan, 1998; Hoffmann & Häußler, 1998). Um die Interessen der Jugendlichen für den Biologieunterricht nutzen zu können, muss jedoch bekannt sein, welche biologischen Themen und Tätigkeiten für Schüler(innen) der Sekundarstufe von Interesse sind und wie sich spezifische Unterrichtsmethoden auf die Interessenentwicklung der Heranwachsenden auswirken. Das Projekt soll hierzu einen Beitrag leisten, indem es die Interessen von Jugendlichen an biologischen Themen und Tätigkeiten empirisch untersucht sowie Ansätze zur Förderung von Interesse im Biologieunterricht aufzeigt und diskutiert.