Die Veränderung der Lernkultur am Übergang von der Grundschule in die weiterführende Schule aus Schülerperspektive
Dorthe Petersen
Betreuer: Prof. B. Asbrand & Jun. Prof. N. Pfaff
Der Übergang von der Grundschule in die weiterführenden Schulen stellt jedes Jahr für eine Vielzahl Kinder einen bedeutenden Schritt in ihrem Leben dar. Während sich die Forschung zum Übergang insbesondere mit dem selektiven deutschen Schulsystem bzw. Selektionsentscheidungen befasst (z. B. Baumert u. a. 2010) oder mit der Bewältigung des Übergangs (z. B. Sirsch 2000), beschäftigt sich dieses Projekt mit dem Wandel der Schul- und Lernkultur am Übergang.
In einer qualitativ-rekonstrukiv angelegten Längsschnittstudie wurden sowohl vor als auch nach dem Übergang videographierte Unterrichtsbeobachtungen durchgeführt. Dabei begann die Erhebung im Februar 2010 an zwei Grundschulen, wobei je Grundschule drei Wochen der gesamte Unterrichtstag videographiert beobachtet wurde. Mit einigen Kindern folgte am Ende ihrer Grundschulzeit eine Gruppendiskussion (Eingangsimpuls: Bild von der eigenen Schule malen) bei welcher sie über ihre Schule sprechen konnten und ihnen die Gelegenheit gegeben wurde ihre Perspektive mitzuteilen. 13 dieser Kinder wurden sodann auf drei verschiedene weiterführende Schulen begleitet (Gymnasium, Gemeinschaftsschule und Regionalschule), um dort nach je zwei weiteren videographierten Unterrichtswochen pro Schule weitere Gruppendiskussionen mit den begleiteten Kindern zu ihren neuen Schulen zu führen, die den ersten in der Form glichen.
Sowohl ausgewählte Sequenzen aus dem Unterricht als auch die Gruppendiskussionen werden mit der dokumentarischen Methode (Bohnsack 2007) ausgewertet. Ziel der Studie ist es dabei die Lernkultur von Grund- und weiterführenden Schulen am Beispiel einzelner Schulklassen vergleichend zu rekonstruieren und auf diese Weise Aussagen hinsichtlich der Veränderungen der Lernkulturen und ihrer Bedeutung für den Übergangsprozess treffen zu können. Die Forschungsfrage lautet daher: Wie wird der Schulalltag und die darin enthaltene Lernkultur in Grundschulen und weiterführenden Schulen von den Akteuren gemeinsam hergestellt und wie lässt sich aus Unterschieden bzw. Gemeinsamkeiten und Äußerungen von den betroffenen Kindern über eben diesen Schulalltag der institutionell gerahmte Übergangsprozess aus Sicht der Kinder rekonstruieren? Lernkultur wird dabei verstanden als "sinnhafte, performative und symbolische Ordnung aller Elemente unterrichtlicher Interaktionen und anderer Praktiken" (Kolbe et al. 2008, S. 34).
Nachdem die Erhebungsphase im Januar 2011 abgeschlossen werden konnte, folgt 2011/12 die Interpretationsphase und Fertigstellung der Dissertation.