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This is the http://kiwi.uni-psych.gwdg.de/congress/gor-2001/contrib/hoeflich-joachim/hoeflich-joachim Document.

Main Author: Höflich, Joachim

Co-Authors: Rössler, Patrick;

Institution: Universität Erfurt

Contribution Title: Email für das Handy: SMS-Nutzung durch Jugendliche.

Authors Email: joachim.hoeflich@uni-erfurt.de

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Abstract German (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 2257)
German: Mediale Konvergenzprozesse beziehen sich meist auf ein ‚Zusammenwachsen‘ traditioneller Massenmedien und computervermittelter Kommunikation (insbesondere von Fernsehen und PC). Seit kurzem ist allerdings auch eine ‚Verschmelzung‘ von Mobil- und Onlinekommunikation zu beobachten: Einerseits ermöglicht das Handy einen mobilen Zugang zum Internet (WAP). Neben dem Zugriff auf vielfältige Informationsangebote erlaubt andererseits der „Short Message Service“ (SMS), als eine Art ‚Email für das Handy‘, das Versenden und Empfangen von textlichen Kurzbotschaften; wobei diese Nachrichten auch vom Internet aus auf Handys (und umgekehrt) verschickt werden können. Auffällig ist in diesem Zusammenhang , dass sich die SMS-Nutzung insbesondere unter jugendlichen Handy-Besitzern besonderer Beliebtheit erfreut. Der vorgeschlagene Vortrag präsentiert Ergebnisse einer ersten Pilotstudie unter Handy-Besitzern im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Hierzu wurden im Sommer 2000 204 Jugendliche in zwei unterschiedlichen Regionen Deutschlands mündlich befragt, die in öffentlichen Einrichtungen oder an öffentlichen Plätzen kontaktiert wurden (quotiertes Sample). Die Auswertungen zeigen einerseits deskriptiv auf, wie Jugendliche mit der neuen Kommunikationstechnik umgehen – sowohl mit dem Handy als auch mit dem SMS-Dienst. Anschließend werden erste Analysen vorgelegt, die die Zusammenhänge zwischen SMS-Nutzung, Motiven für diese Nutzung und anderen Faktoren vor dem Hintergrund der Gratifikationsforschung aufzeigen. Ein Schwerpunkt liegt hierbei auf der Verknüpfung von SMS- und Online-Nutzung, etwa im Hinblick auf das Verschicken von SMS-Botschaften via Internet. Insbesondere lassen sich aber die Dimensionen der Mobilkommunikation nach dem Grad der Online-Nutzung differenzieren, um den Stellenwert von Handy und SMS im medialen Bukett von Onlinern und Nicht-Onlinern aufzuzeigen. Allgemein kann die Nutzung von SMS-Nachrichten im Zusammenhang einer umfassenden Medialisierung verstanden werden. Das dem Vortrag zugrundeliegende Datenmaterial wurde bislang noch nicht öffentlich präsentiert oder publiziert.
English:
Article (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 24036)
E-Mail für das Handy - SMS-Nutzung durch Jugendliche

Joachim R. Höflich / Patrick Rössler, Universität Erfurt

1. Vorbemerkung

Im vergangenen Jahr nahm die Verbreitung des Handys mit einer Wachstumsrate zu, die jene anderer Medien, einschließlich des Internets, in den Schatten stellt. Besonders sticht dabei hervor, dass das Handy nicht allein zum Telefonieren, sondern auch und gerade dazu dient, kurze Textnachrichten zu versenden. Angesprochen ist der Short Message Service (SMS), mittels dem über das Tastenfeld das Handys, aber auch via Internet kurze Botschaften mit einem Umfang von (bislang) bis zu 160 Zeichen an andere Handy-Nutzer übermittelt werden können. Im vergangenen Jahr wurden knapp 15 Milliarden solcher Nachrichten versandt - und damit verbunden ist im Vergleich zum Jahr 1999 ein Wachstum von 163 Prozent. Durchschnittlich kamen dabei pro Monat 35 Kurzmitteilungen auf einen Netzteilnehmer, wobei Schätzungen zufolge gut die Hälfte privaten Zwecken diente (vgl. O.N. 2001a, b).

Das Handy ist ein weiteres Hybridmedium, das sich eingedenk der damit verbundenen Verwendungsweisen zu einem Universalmedium entwickelt soll. Es steht ferner unter dem Vorzeichen der Konvergenz, indem sich Funktionalitäten, die bislang mit differenten Medien verbunden waren, in einem Medium vereinen. Es steht aber auch in dem Sinne für eine Konvergenz, indem intermediale Verbindungen, insbesondere zwischen Handy und Computer bzw. Handy und Internet hergestellt werden. Das bezieht sich auf die Möglichkeiten, SMS-Botschaften vom Computer an das Handy und umgekehrt zu versenden, aber auch darauf, dass auf der Basis des Wireless Application Protocoll (WAP) ein mobiler Zugriff zu den Diensten des Internets möglich ist. Der anstehende und für die Netzbetreiber hierzulande teuer erstandene UMTS-Standard (Universal Mobile Telecommunications System) setzt nun nachgerade voraus, dass das Handy zu mehr als nur zum Telefonieren verwendet wird; nur über die Nutzung von Diensten ist Geld zu verdienen. Und dieses einzutreiben ist zwingend erforderlich: UMTS-Endgeräte kosten die Netzbetreiber um die 6000 DM pro Kunde, jeder deutsche Lizenznehmer muss 100.000 DM pro Stunde erwirtschaften und die Durchschnittskunden sollen statt heute um die 70 zukünftig 100-200 DM pro Monat ausgeben. (Klemann 2001).

Enorm sind vor allem die Erwartungen, die man mit der kommerziellen Verwendung eines mobilen Kommunikationsgerätes, dem M-Commerce verbindet, wobei nicht zuletzt die SMS-Dienste als ein Vehikel dazu gesehen werden. Nachdem gerade die Jugendlichen nicht nur das Handy sondern vor allem den Short Message Service für sich entdeckt haben, stellen diese eine bevorzugte Zielgruppe dar. Vor einigen Wochen trat beispielsweise die Tochter des finnischen Konzerns Sonera auf dem deutschen Markt auf, um Jugendlichen Handyisten mit ihren Angeboten zu gewinnen, wobei Partner wie die Verlagsgruppe Milchstrasse (Max, Amica, Cinema), Merian, der Nachrichtendienst Reuters oder Trivial Pursuit die Inhalte liefern.

2. Theoretische Verortungen

Noch im Vorfeld solcher Aktivitäten, aber inmitten des Handy- und SMS-Booms haben wir im Juli vorigen Jahres eine Studie zur Nutzung des Short Message Service durchgeführt -nicht ahnend, dass es sich um ein solches Wachstumsfeld handeln würde. Es war im übrigen um die erste kommunikationswissenschaftliche Studie auf diesem Terrain, aus der wir einige zentrale Ergebnisse zur Diskussion stellen wollen.

Vor dem theoretischen Hintergund der Forschungstradition des Uses-and-Gratifications-Ansatzes aus der Kommunikationswissenschaft (vgl. zusammenfassend etwa Schenk 1987) haben wir uns dem Thema insbesondere unter zwei Perspektiven genähert:

Steht die Verbreitung des Short Message Service in einem engen Zusammenhang mit der hervorstechenden Bedeutung asynchroner Kommunikationsformen, so dass man bei der SMS-Nutzung durchaus von einer E-Mail für das Handy sprechen kann?

Ist die Verwendung des Short Message Service gerade im Kontext einer umfassenden Mediatisierung des Alltags Jugendlicher zu sehen - und welche spezifischen Funktionalitäten und Formen der Aneignung kennzeichnen diese Nutzungsofferten?

Schon der Siegeszug der E-Mail, als die herausragende Nutzungsform des Internet, mag sich daraus erklären, dass man damit der Aufdringlichkeit unmittelbarer medialer Kontaktnahme wie über das Telefon entkommen konnte, denn Telefonieren ist, wie Freyermuth (1999) anmerkt, eine "herrschaftsförmige Aktivität, bei der eine Partei der anderen ihre Zeit aufzwingt". So gesehen steht die E-Mail weniger in einem Konkurrenzverhältnis zum Brief, sondern vielmehr zum Telefon. In diesem Sinne hat etwa Nicholas Negroponte (1997, 232) festgestellt: "Neben ihren digitalen Vorteilen ist die E-Mail eher ein Sprachmedium. Auch wenn es sich nicht um einen gesprochenen Dialog handelt, kommt es doch dem Sprechen näher bzw. dem Versenden von Briefen." Bei der mobilen Telefonie wird die Ubiquität der Erreichbarkeit und damit die Aufdringlichkeit auf die Spitze getrieben. Schon sein "inappropriate sound" (Ling 1997) - der bis hin zu äußerst lauten und manchmal nie enden wollenden Melodien, vom Pop bis Klassik (was immer die Handybesitzer damit sagen wollen) - lässt Dritte nicht unberührt. Als aufdringlich wird aber auch das öffentliche Telefonieren als solches wahrgenommen. Es stört nämlich die öffentliche Ordnung, weil es die "Interferenz zweier Kommunikationsformen" (Burkart 2000, 218), einerseits der öffentlichen andererseits der privaten ermöglicht. So hat man es gerade deshalb mit Störungen zu tun, weil die bislang vertrauten Regeln einer öffentlichen und einer privaten Kommunikation verletzt werden.

Der Aufdringlichkeit zu entkommen vermag das ‚Silent Text Messaging' des Short Message Service zu entsprechen. In einem Büchlein mit SMS-Sprüchen ist denn auch zu entnehmen: "Immer mehr Handy-User verschicken SMS. Der entscheidende Vorteil gegenüber dem normalen Telefonieren (abgesehen von Preisvorteilen): die Nachrichten werden geräuschlos übermittelt. So kann man sich, ohne jemanden zu stören, über langweilige Konferenzen oder Schulstunden hinwegretten und weiterhin mit der geliebten Welt in Verbindung bleiben. Auch aus öffentlichen Verkehrsmitteln kann man mit seinen Liebsten in Kontakt treten, ohne dass der ganze Großraumwagen mithört" (Jochmann 2000, 4/5). So gesehen steht der Short Message Service im Zusammenhang mit einer ‚Dialektik des Gebrauchs' (Höflich 1998: 212) - hier: von der Aufdringlichkeit hin zur Unaufdringlichkeit.

Der Alltag Jugendlicher ist, so ausgeprägt wie noch nie, ein Medienalltag, wiewohl dieser nicht nur durch die Massenmedien, sondern auch und gerade durch Medien interpersonaler Kommunikation - vom Telefon bis hin zum Handy und dem SMS - bestimmt wird. Sucht man nach einen entsprechenden Terminus, so könnte, eingedenk der quantitativen Verbreitung in einem bestimmten Alterssegment, von einer "Handy-Generation" gesprochen werden, die über das Telefon hinaus die Potentiale der mobilen Kommunikation für sich zu eigen macht. Bemerkenswert bei der Nutzung des Short Message Service ist, dass selbst jene Kids Kurznachrichten schreiben und via Handy versenden, die ansonsten nie zum Schreiben gekommen wären. Wie die aktuelle Shell Jugendstudie zeigt (vgl. insbesondere Fritzsche 2000), ist das Handy vor allem ein Medium der (groß)städtischen Jugend. Insbesondere vor diesem Hintergrund gingen wir davon aus, dass es dabei besondere Funktionalitäten hinsichtlich der Organisation des Alltags hat und vor allem dazu dient, sich mit anderen zu verabreden und in Kontakt zu bleiben, ohne den Zwängen der örtlichen Bindung an das häusliche Telefon zu unterliegen. Nicht zuletzt sollte auch das spielerische Moment nicht vergessen werden, das nicht zuletzt bei der Aneignung des Computers durch Kinder und Jugendliche einen zentralen Stellenwert einnimmt (vgl. Weiler 1999: 221). Spielerisch lernt man - und das gilt nicht nur für Jugendliche - die Handhabung von Technik als Objekt, wie auch, unter den besonderen Bedingungen eines Mediums mit anderen umzugehen. So mag gerade das Experimentelle die Nutzung des Short Message Service zu leiten, z.B. um im Schutze des Verborgenseins mit anderen (und bislang Fremden) zu flirten.

3. Methodisches Vorgehen und Forschungsergebnisse

Um erste Einsichten in die SMS-Nutzung Jugendlicher zu gewinnen, haben wir im Juli 2000 eine mündliche Befragung von 204 Handy-Besitzern im Alter zwischen 14 und 18 Jahren aus verschiedenen Regionen Deutschlands durchgeführt. Die Feldarbeit wurde von Teilnehmern zweier Projektseminare an den Universitäten Erfurt und Augsburg geleistet, für deren persönliches Engagement wir herzlich danken. Die Untersuchungsteilnehmer wurden nach dem Zufallsprinzip an öffentlichen Einrichtungen oder an öffentlichen Plätzen kontaktiert; allerdings handelt es sich dabei keinesfalls um eine gezogene Zufallsstichprobe aus der Grundgesamtheit jugendlicher Handy-Nutzer, weshalb das Datenmaterial keinen Anspruch auf Repräsentativität erheben kann. Da zum Zeitpunkt der Feldarbeit auch noch keine gesicherten Informationen über die soziodemographische Struktur der relevanten Zielpersonen verfügbar waren, musste auf die Vorgabe von Quotierungsmerkmalen verzichtet werden. Es kann daher nur spekuliert werden, dass das Bildungsniveau unserer Stichprobe leicht überdurchschnittlich ausgefallen sein könnte, denn 43 % der Befragten besuchten ein Gymnasium (auch Fachgymnasium), 32 % eine Real- oder Hauptschule und 25 % absolvierten seinerzeit eine Berufsausbildung. Das Durchschnittsalter der Teilnehmer betrug 16,4 Jahre, 45 % waren männlichen und 55 % weiblichen Geschlechts.

Voraussetzung für die Partizipation an der SMS-Kommunikation ist der Besitz eines Handys. Die in unserer Stichprobe befragten Jugendlichen zwischen 14 und 18 Jahren geben im Schnitt knapp 70 DM monatlich für ihr Handy aus, Telefon- und SMS-Kosten zusammengenommen. Den größten Marktanteil unter den von uns befragten Nutzern hatte dabei D2; erst mit erheblichem Abstand folgen zunächst Telly D1, und dann erst E-Plus und Viag Interkom. Dabei ist der Erfolg der Prepaid-Karte als Einstiegsangebot klar abzulesen: Jugendliche unter 16 Jahren (die über weniger Mittel verfügen und erst seit kurzem ein Handy besitzen) nutzen vorwiegend Prepaid-Karten. Mit dem Alter und der zunehmenden Erfahrung mit Handys wächst auch der Anteil Jugendlicher, die einen Festnetz-Vertrag abschließen. Damit kann die Prepaid-Karte auch als wichtiger Motor für die Marktdurchsetzung von SMS unter Jugendlichen gelten. Denn während mit 14 erst knapp die Hälfte der Jugendlichen ihr Handy selbst finanzieren, springt dieser Anteil auf gut 60 % mit 15 und klar über 70 % mit 17 Jahren. Trotzdem lässt sich immerhin noch ein Viertel der volljährigen Jugendlichen ihr Handy von anderen bezahlen.

Bei der Bestimmung der zentralen Gratifikationsdimensionen, die die Jugendlichen mit der SMS-Nutzung verbinden, bot es sich an, auf die wenigen existierenden Studien zu Gratifikationen der Telefon- bzw. E-Mail-Nutzung zurückzugreifen: In ihrer vergleichenden Erhebung unterschiedlicher Kommunikationsmodie belegten Flanagin und Metzger (2001) die Ähnlichkeit der Motive für Telefon- und E-Mail-Nutzung. die (gemeinsam mit den Internet-Konversationen im Chat oder Usenet) einen gemeinsamen Faktor der mediatisierten interpersonalen Kommunikation konstituieren. Zuvor hatten Dimmick u.a. (1994) in ihrer Studie zu den "Gratifications of the Household Telephone" mit Soziabilität und Instrumentalität zwei zentrale Faktoren berechnet, die die Autoren als Soziabilität (Prozess sozialer Integration) und Instrumentalität (Prozess sozialer Koordination) benennen. Mit dem Telefon in einem besonderen Maße verbunden ist eine dritte Dimension, die die Autoren als psychologisches Bedürfnis nach Rückversicherung ("psychological need for reassurance") bezeichnen. Gemeint sind damit Nutzungen zu dem Zweck, sich beispielsweise darüber Gewissheit zu verschaffen, dass es den Freunden oder der Familie gut geht. Diesbezügliche Nachrichten müssen nicht unbedingt lang sein, meist genügt dazu schon ein kurzer Anruf. Da der Short Message Service gerade für solche Kurzbotschaften gut geeignet ist, wurde als Arbeitshypothese angenommen, dass das Moment der Rückversicherung dort ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Weitere Studien (vgl. O'Keefe/Sulanowski 1995; Leung/Wei 2000) betonen außerdem die Motivdimension "Unterhaltung"/"Vergnügen", die auf die erwähnte spielerische Aneignung auch des SMS verweisen.

In Anlehnung an die erwähnten Gratifikationsstudien legten wir den Befragten 15 Motivationsitems zur Beurteilung anhand einer fünfstufigen Skala vor. Die Vorgaben lauteten: Ich schreibe und empfange SMS-Kurznachrichten... (1) um meine Probleme mitzuteilen und mir Ratschläge zu holen; (2) um anderen Ratschläge zu geben; (3) um zu wissen, dass Leute an mich denken und sich um mich kümmern; (4) um den Kontakt zu meinen Freunden nicht zu verlieren; (5) um zu wissen, was meine Freunde oder mein Partner gerade macht / ob es ihnen gut geht; (6) weil meine Freunde / mein Partner wissen möchten, was ich gerade mache / ob es mir gut geht; (7) weil ich in manchen Situationen nicht telefonieren kann (es würde auffallen, wenn ich telefoniere); (8) um Verabredungen zu machen / Unternehmungen etc. zu planen; (9) weil es mir Spaß macht mit vielen Leuten zu tun zu haben; (10) um mit Leuten in Kontakt zu bleiben, die ich nicht persönlich treffen kann; (11) in Notsituationen (Unfall etc.); (12) um ständig erreichbar zu sein; (13) weil es mir Spaß macht die technischen Möglichkeiten des Geräts auszuprobieren; (14) um mir Informationen (Wetterbericht, Horoskop etc.) einzuholen; (15) um mir die Zeit zu vertreiben, wenn ich Langeweile habe.

Breite Zustimmung erhielten hierbei die Vorgaben, man würde SMS schreiben und empfangen, um Verabredungen zu treffen und um sich nach dem Befinden der Freunde zu erkundigen. Generell werden insbesondere diejenigen Motive als besonders zutreffend beschrieben, die sich auf Aspekte gegenseitiger Vergewisserung beziehen. Kaum verwundern kann daneben die Tatsache, dass die Befragten das Alleinstellungsmerkmal von SMS betonen, nämlich allzeit asynchron erreichbar zu sein und per Mobilkommunikation mit denen zu interagieren, die man nicht persönlich treffen kann. Mehr als die Hälfte der Jugendlichen setzt SMS dabei häufig als funktionales Äquivalent für Telefonate ein. Von untergeordneter Bedeutung, aber keineswegs ausgeschlossen sind komplexere Bedürfnisse wie die Erörterung von persönlichen Problemen oder das Erteilen von Ratschlägen via SMS - hier dürften sich die Restriktionen in der Medialität niederschlagen (Textbasiertheit, gebrenzte Zeichenzahl, geringer Bedienungskomfort).

Mit Hilfe einer Faktorenanalyse (Hauptkomponentenanalyse mit Varimax-Rotation, Eigenwertkriterium > 1, Varianzaufklärung durch 5 Faktoren = 57%) lassen sich die abgefragten Motive auf fünf Nutzungsdimen-sionen verdichten. Zentrales Nutzungsmotiv ist demnach die gegenseitige Rückversicherung (Items 5 und 6, MW 2,04) - zu erfahren, was die Freunde oder der Partner machen und ob es ihnen gut geht bzw. selbst mitzuteilen, was man macht und wie es einem geht. Am zweitwichtigsten scheint den Jugendlichen die allgemeine Kontaktpflege (Items 7 bis 10, MW 2,39): man verabredet sich oder schickt Mitteilungen um ihrer selbst willen, einfach weil es Spaß macht, und sendet SMS-Botschaften an Leute, die man gerade nicht persönlich treffen kann oder mit denen man in der Situation nicht telefonieren kann. Fast gleichbedeutend ist die Verfügbarkeit des Mediums (Items 11 und 12, MW 2,43), beispielsweise in Notsituationen, gepaart mit der ständigen Erreichbarkeit. Bereits deutlich weniger relevant sind Aspekte der Lebenshilfe (Items 1 bis 4, MW 3,23), z.B. das gegenseitige Rat geben oder die Bindung an die Freunde in dem Wissen, dass andere Leute an einen denken. Die von den SMS-Nutzern favorisierten Anwendungen liegen demnach ebenfalls klar auf der Hand - ihrer persönlichen Einschätzung nach benutzen sie die SMS fast täglich, um den Kontakt zu ihren Freunden zu pflegen und mit ihnen Informationen auszutauschen oder Treffpunkte zu vereinbaren usw. Dagegen besitzt der Abruf standardisierter Informationen (Wetterbericht, Horoskope etc.) eine vergleichsweise geringe Bedeutung, und auch die flirt-bezogene Kontaktaufnahme mit unbekannten Handy-Besitzern findet eher selten statt. Während Informationen durch SMS-Kommunikation also von untergeordneter Bedeutung sind, interessaieren sich die Jugendlichen doch stark für Informationen über den SMS. Der SMS-Markt wird deswegen auch Gegenstand interpersonaler Kommunikation zwischen Jugendlichen ist, denn über die Hälfte der Befragten (51,5 %) gab an, sich mit den Freunden häufig oder manchmal über günstige SMS-Anbieter oder neue technische Entwicklungen zu unterhalten. Diese Befunde unterstreichen die Bedeutung des SMS als Medium der Jugendlichen zur Organisation ihres städtischen Alltags.

Insgesamt haben die Befragten die SMS-Nutzung also längst in ihr Kommunikationsverhalten integriert: Durchschnittlich drei Handy-Telefonaten pro Tag stehen etwa sechs SMS-Nachrichten gegenüber, die sowohl geschickt als auch empfangen werden. Auch die Handlungsalternative E-Mail spielt selbst in der Teilmenge von Personen, die überhaupt das Internet nutzen, von der Frequenz her eine geringere Rolle (ca. 2 Nachrichten pro Tag geschickt/empfangen), wobei diese Angaben durch den variierenden Umfang der Kommunikationsakte relativiert werden: SMS-Botschaften müssen aus technischen Gründen sehr kurz ausfallen (max. 160 Zeichen), während E-Mails prinzipiell länger sein können und gerade bei Telefonaten meist ein deutlich intensiverer Austausch vorliegen dürfte. Detailanalysen belegen sowohl für die Handy- als auch für die SMS-Nutzung den diffusionstypischen U-Verlauf: Nach einer intensiveren Phase des Ausprobierens geht die Nutzung zunächst zurück, bevor die Gewöhnung an das Medium und die Einbettung in den Alltag einsetzt. Die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Kommunikationshandlungen lassen sich durch Korrelationsberechnungen verdeutlichen. Auf der Hand liegt wohl, dass Jugendliche, die viele SMS verschicken, umgekehrt auch viele empfangen (Pearson's r = .79), und ähnliches gilt für die Verwendung von E-Mail (.85). Interessant ist allerdings, dass die Zahl geführter Handy-Telefonate mit allen weiteren Alternativen korreliert - wer viel mobil telefoniert, verschickt und empfängt auch häufiger SMS (.40 bzw. .35), E-Mails (.27 bzw. .24) und schreibt sogar öfters einmal einen Brief (.15). Dies deutet darauf hin, dass die Handy-Aktivitäten der befragten Jugendlichen als ein generelles Indiz für das Ausmaß technisch vermittelter interpersonaler Kommunikation gelten könnte.

Um die Verknüpfung von SMS- und Online-Kommunikation - schliesslich können die Kurzbotschaften auch via Internet auf Handys verschickt werden und umgekehrt - näher zu beleuchten, wurde die Nutzung dieser Option abgefragt. Insgesamt geben mehr als dreiviertel der Befragten (77,4 %) an, daß sie "nie" Nachrichten von ihrem Handy ins Internet schicken würden; gerade zwei Jugendliche tun dies eigenen Angaben zufolge "häufig", und nur etwa jeder zwanzigste (5,5 %) zumindest manchmal. Umgekehrt verschickt allerdings die Hälfte der Jugendlichen, die überhaupt das Internet nutzen (n = 108), SMS-Kurznachrichten über das Internet (48,1 %). Der Zusammenhang mit anderen Kommunikationshandlungen ist nicht eindeutig (vgl. erneut Tab. 1): Während bei der Zahl der Handy-Telefonate kein Unterschied besteht, scheinen jugendliche Internet-Nutzer, die SMS über das Internet verschicken, tendenziell eher häufiger E-Mail zu nutzen und tendenziell weniger häufig die SMS. Es wäre daher zu vermuten, daß Online-Nutzung für diese Jugendlichen den dominanten Kommunikationsstil repräsentiert, in den auch die SMS-Anwendung eingeordnet wird.

4. Schlussbemerkung

Die Handy-Euphorien des letzten Jahres sind - gerade nach dem rapiden Wachstum - merklich gedämpft. Nun zeigen sich die Schattenseiten der Entwicklung einer großzügigen Subventionierung des Handyvertriebs, für die man sich entschied, nur um schnell große Nutzerzahlen zu erreichen. Die jugendlichen Nutzer von heute, die vor allem Prepaid-Handys haben, sollen nicht nur neue mediale Offerten nutzen, so sollen auch die Vertragsnutzer von morgen sein und die (noch zu schaffenden) Dienste der Zukunft in Anspruch nehmen. Es ist allerdings noch keineswegs klar, was sich aus den Erkenntnissen der gegenwärtigen SMS-Nutzung ableiten lässt und welchem Wandel diese, erst recht eingedenk einer raschen medialen Entwicklung, unterliegt. Schiere Extrapolationen haben sich immer schon als problematisch erwiesen, denn die Aneignung eines Mediums und medialer Angebote ist ein Prozess, der, schon aufgrund der Eigensinnigkeit der Nutzer, viele Fragen offen lässt.

5. Literatur

Burkart, Günter: Mobile Kommunikation. Zur Kulturbedeutung des "Handy". In: Soziale Welt, 5, 2000, S. 209-232.

Freyermuth, Gundolf S.: Ausgebimmelt, abgebrabbelt! In: NZZ FOLIO. Die Zeitschrift der Neuen Züricher Zeitung. September 1999. URL: www-x.nzz.ch/folio/archiv/1999/09/articles/freyermutz.htm (22.02.01).

Dimmick, John W./Sikand, Jaspreet/Patterson, Scott, J. (1994): The Gratifications of the Household Telephone. Sociability, Instrumentality and Reassurance. In: Communication Research, 21, S. 643-663.

Flanagin, Andrew/Metzger, Miriam J.: Internet Use in the Contemporary Media Environment. In: Human Communication Research, 27, 2001, S. 153-181.

Fritzsche, Yvonne: Modernes Leben: Gewandelt, vernetzt und verkabelt. In: Deutsche Shell (Hrsg.): Jugend 2000. Bd. 1, Opladen 2000, S. 349-378.

Höflich, Joachim R.: Telefon: Medienwege - Von der einseitigen Kommunikation zur mediatisierten und medial konstruierten Beziehung. In: Faßler, Manfred/Halbach, Wulf R. (Hrsg.): Geschichte der Medien. München 1998, S. 187-225.

Jochmann, Ludger: SMS. Sprüche, Tipps und Tricks. Frankfurt/Main 2000.

Klemann, Roland: UMTS - von der Krise zur Chance. In: DIE WELT online, 02.05.2001. URL: www.welt.de/daten/2001/05/02/0502wfo250766.htx (02.05.01).

Leung, Louis/Wei, Ran: More than just Talk on the Move: Uses and Gratifications of the Cellular Phone. In: Journalism & Mass Communication Quarterly, 77, 2000, S. 308-320.

Ling, Richard: "One can talk about common manners!" The Use of the Mobile Telephones in Inappropriate Situations. In: Haddon, Leslie (Hrsg.): Communications on the Move: The Experience of Mobile Telephony in the 1990s. COST 248. The Future European Telecommunications User Mobile Workgroup. University of Sussex. Brighton, August 1997, S. 73-96. Online verfügbar unter URL: web.cnlab.ch/cost248 (21.01.01)

Negroponte, Nicholas: Total digital. Die Welt zwischen 0 und 1 oder die Zukunft der Kommunikation. München 1971.

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O.N.: Kurze Nachricht ganz Groß. In: Fokus Online vom 13.02.01b. URL: www.focus.de/G/GW/GWA/gea.thm?snr=84268&streamne=8 (13.02.01).

O'Keefe, ‚Garrat J./Sulanowski, Barbara K.: More than just Talk: Uses and Gratifications, and the Telephone. In: Journalism & Mass Communication Quarterly, 72, 1995, S. 922-933.

Schenk, Michael: Medienwirkungsforschung. Tübingen 1987.

Weiler, Stefan: Die neue Mediengeneration. Medienbiographien als medienpädagogische Prognoseinstrumente. Eine empirische Studie über die Entwicklung von Medienpräferenzen. München 1999.

Anmerkung: Eine detaillierte Darstellung der Studie erscheint unter dem Titel "Mobile schrifliche Kommunikation - oder: E-Mail für das Handy. Die Bedeutung elektronischer Kurznachrichten (Short Message Service) am Beispiel jugendlicher Handynutzer" in der Ausgabe 4/2001 der Zetschrift "Medien- & Kommunikationswissenschaft".