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Main Author: Tzanetakis, Robert

Co-Authors: ;

Institution: Universität Wien

Contribution Title: Ausprägung des Flow-Erlebnis beim Internetsurfverhalten in Abhängigkeit von persönlichen und situativen Faktoren.

Authors Email: a9411275@unet.univie.ac.at

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Abstract German (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 1914)
German: Jene Studie befasst sich mit der Implementierung und Validierung von "Flow" in mehreren Applikationen des Internet. Inwiefern ist es dem User möglich, "Flow" zu erleben und wovon hängt dies ab? Der von Csikszentmihalyi geprägte Begriff des "Flow-Erlebnisses" – also im Fluss sein, Begeisterung, Erfüllung, freudiges Aufgehen in einer Handlung – ist seit den 70er Jahren zentraler Begriff der intrinsischen Motivationsforschung und wurde seitdem in einer Vielzahl von Populationen, Situationen und Kontexten untersucht (Übersicht zu finden in Csikszentmihalyi, 1988, 1991, 2000). In meiner von Peter Vitouch – Medienpsychologe der Universität Wien und Leiter des Ludwig-Bolzmann-Institut für empirische Medienforschung – betreuten Diplomarbeit untersuchte ich eine Stichprobe von n=71 mit dem Flow- Fragebogen (einer Adaption von Csikszentmihalyis Experience Sampling Method) zu vier Meßzeitpunkten. Im Anschluss wurde eine Testbatterie zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen und Surfverhalten vorgelegt. Dabei wurde das Flow-Konstrukt weitgehend validiert. Es zeigte sich, dass die Möglichkeit zum Erleben von Flow nicht nur von stabilen Eigenschaften, wie interner Kontrollüberzeugung des Individuums abhängt, sondern auch von situativen Bedingungen wie Webpagegestaltung, Verweildauer auf der Website, Tätigkeit und der eigentlichen Kontroll- bzw. Versuchsbedingung der Studie, nämlich ob die User zuhause oder in einem Raum mit anderen surfen. Zusätzlich zeigte sich ein interessantes Verhältnis zu Werten der Skala Internetsucht. Diese im deutschsprachigen Raum erstmalig durchgeführte Studie zum Thema "Flow im Internet" soll sowohl dem eMarketing als auch den Forschern des Mediums neues Wissen, Erkenntnisse und Denkanstößen vermitteln.
English: This study is the first piece of german research of "flow" in the internet. How is it possible for users to experience flow when using different applications of the net? Csikszentmihalyi was amazed by the motivation, many people had when doing certain things they obviously liked to do, despite loss of time, exhaustion and no external reinforcement. Since the early 70‘s he studied flow in many cultural contexts. He and many others researchers were able to make validations of the construct since then. Despite of that, studies examining user‘s flow in the internet are rare. In my thesis I asked 71 students to fill out a "flow questionnaire" – similar to Csikszentmihalyi‘s Experience Sampling Method – four times in a row, followed by a personality questionaire. The results indicate a relationship of the ability to experience flow with a person‘s internal locus of control and with many situational variables, like webpagedesign, time spent on the website, activity on the net and wether the person was allone or with other people, while surfing. Moreover the study shows some interesting relationship of flow with internet-addiction.
Article (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 18999)
Problemstellung und Ziel der Arbeit

Jene Studie befasst sich mit der Implementierung und Validierung von "Flow" in mehreren Applikationen des Internet. Inwiefern ist es dem User möglich "Flow" zu erleben und wovon hängt dies ab? Der von Csikszentmihalyi geprägte Begriff des "Flow-Erlebnisses" - also im Fluss sein, Begeisterung, Erfüllung, freudiges Aufgehen in einer Handlung - ist seit den 70er Jahren zentraler Begriff der intrinsischen Motivationsforschung und wurde seitdem in einer Vielzahl von Populationen, Situationen und Kontexten untersucht (Übersicht zu finden in Csikszentmihalyi, 1988, 1991, 2000). In meiner von Univ.Prof. Dr. Peter Vitouch - Medienpsychologe der Universität Wien und Leiter des Ludwig-Bolzmann-Institut für empirische Medienforschung - betreuten Diplomarbeit untersuchte ich eine Stichprobe von n = 71 mit dem Flow-Fragebogen (einer Adaption von Csikszentmihalyis Experience Sampling Method) zu vier Meßzeitpunkten. Im Anschluss wurde eine Testbatterie zur Erfassung von Persönlichkeitsmerkmalen (wie Kontrollüberzeugung, Kohärenzgefühl, Spielerische Grundhaltung) und Surfverhalten (Interneterfahrung, Internetsucht) vorgelegt. Dabei wurde einerseits versucht, das Flow-Konstrukt (erstmals) im "virtuellen Raum" zu validieren, also auf seine Gültigkeit zu überprüfen. Es spielen sämtliche Dimensionen von Flow eine entscheidende Rolle: "positiver Affekt", "Balance zwischen Aufgabenschwierigkeit und Fertigkeiten", "Gefühl der Kontrolle", "involviert sein", "Konzentration", "Zeitverzerrung", "Erwartung" und "Zielorientierung".

Andererseits wurde Flow mit sämtlichen persönlichen und situativen Variablen in Beziehung gesetzt. Ziel dieser Arbeit war es zu überprüfen, ob der/die Internetsurfer(in) tatsächlich unter bestimmten Umständen leichter in den Zustand des Flow kommt. Und zwar abhängig von eben seiner/ihrer Persönlichkeit (z.B. interne vs. externe Kontrollüberzeugung) und gewissen äußeren Gegebenheiten (z.B. ob die Person zuhause oder in einem Computerhörsaal surft, Webpagegestaltung, Verweildauer auf der Website, Tätigkeit im Netz).

Methode

In Anlehnung an Csikszentmihalyi's Experiencing Sampling Method (ESM), in der der Entdecker des Flow-Konstruktes bei Untersuchungen Teilnehmer veranlaßte, mittels eines Signals eines Piepsers, den diese bei sich tragen, mehrmals am Tag einen zweiseitigen Flow-Fragebogen auszufüllen, um auf diese Weise Tätigkeiten, Aktivitäten und damit einhergehend Stimmungswechsel zu rekonstruieren, bat ich meine Teilnehmer in der Versuchsgruppe (VG; n = 27) innerhalb einer Internetsession (Dauer: 2,5-3 Stunden) viermal einen Flow-Fragebogen auszufüllen. Der als "Beurteilungsfragebogen" (es ginge lt. Instruktion um die Beurteilung der Website) vorgegebene Bogen wurde von den Teilnehmern während des Internetsurfens ausgefüllt, sobald diese vom Versuchsleiter mittels Mobiltelefon "angeläutet" würden. Leider gelang es mir (aufgrund der schlechten Zumutbarkeit dieser Vorgehensweise) nur 9 von 27 Vpn in der VG dazu zu veranlassen. Diese Durchführung hat den Vorteil, daß Vpn nicht wissen, wann sie exakt "angeläutet" werden und (wie in Csikszentmihalyi's Studien) sich nicht einer bestimmten Tätigkeit (Website) hinwenden, um diese im Anschluß zu beurteilen. Die übrigen 19 Vpn wurden gebeten "einen Wecker zu stellen" um so alle 35-40 Minuten einen "Beurteilungsbogen" auszufüllen.

Nach der Internetsession (2.5-3 h) wurden die "Restbögen"(20 min) ausgefüllt. Diese wurden sowohl von Versuchs- und Kontrollgruppe ausgefüllt.

Die Kontrollgruppe (n = 44) wurde in den Computerräumen des Neuen Institutsgebäudes rekrutiert. (Bedingung: Wahlfreiheit eingeschränkt). Wie schon erwähnt, führte die Versuchsgruppe die Untersuchung am Internetanschluß zu Hause durch. (Bedingung: Wahlfreiheit gegeben, Zwangsminimierung). Der "Restbogen" im Anschluß bestand aus folgender Fragebogenbatterie:

- Skala des Fragebogens zur Kompetenz- und Kontrollüberzeugung
- Skala "Spielerische Grundhaltung" aus dem PRF (Personality Research Form)
- Sample-Items aus dem Fragebogen zum Kohärenzgefühl (Sense of Coherence; Antonovsky, 1987)
- Skala zur Internetdependenz (abgeleitet aus DSM-IV Manual)
- Fragen zur Internetnutzung /-erfahrung
- Angaben zur Person / Statistische Daten

Hypothesen und Ergebnisse (Auszug)

Hypothese 1: Es gibt eine hohe Konsistenz zwischen allen Faktoren von Flow. Diese Hypothese konnte bestätigt werden. Die Reliabilitätsanalyse ergab eine annehmbare interne Konsistenz der meisten Faktoren. Einzig die Faktoren "Balance" und "Selbstaufmerksamkeit" scheinen aus der Reihe zu tanzen, da sie eine negative Faktorinterkorrelation aufweisen. Dies könnte an schlecht formulierten oder einer zu geringen Anzahl der Items dieser beiden Konstrukte liegen. Um die interen Konsistenz zu erhöhen wurde der Faktor "Selbstaufmerksamkeit" nicht bei der Durchschnittsberechnung für den Flowwert berücksichtigt. Dies ergibt einen durchaus zumutbaren Reliabilitätskoeffizienten von ALPHA = .6386. Aus theoriegeleiteten Gründen wurde "Balance" bei der Berechnung mitberücksichtigt. Flow besteht somit aus den sieben Faktoren autotelische Erfahrung, Balance, Zielorientierung, Konzentration, Kontrolle, Involvement und Erwartung.

Um die Aussagekraft und Validität von Flow zu erhöhen und um Vergleiche zu ermöglichen, wurde bei der Überprüfung mancher Hypothsen das "korrigierte Flow" - ohne Berücksichtigung von Balance - hinzugezogen. Das "korrigiert Flow" wartet mit einem Reliabilitätskoeffizienten von ALPHA = .8060 auf. Alle Berechnungen zur interen Konsistenz wurden an der Stichprobe aller Flowfragebögen (n = 280) durchgeführt.

Hypothese 2a: Der Faktor "autotelische Erfahrung" korreliert mit allen anderen Faktoren von Flow positiv. Diese Hypothese konnte bestätigt werden. Die hohe Korrelation mit dem Mittelwert der übrigen Faktoren unterstützt die Hypothese der internen Konsistenz. Dies ist besonders wichtig, da autotelische Erfahrung als affektive Komponente von Flow einen entscheidenden Faktor darstellt. Dies wurde zusätzlich durch den Vergleich von Extremgruppen überprüft. Hypothese H2b: Menschen, die wenig Flow erleben unterscheiden sich von solchen, die viel Flow erleben, hinsichtlich des Faktors "autotelische Erfahrung" signifikant. Dies wurde durch den Vergleich mittels t-Test für unbhängige Stichproben eindrucksvoll bestätigt.

Hypothese H4: Personen die am Versuch von zu Hause aus teilnehmen, erleben Flow stärker als solche im Computerhörsaal, d.h. es gibt einen positiven Zusammenhang zwischen der Versuchsbedingung Wahlfreiheit und Flow. Dieser Sachverhalt, als Haupthypothese meiner Diplomarbeit deklariert, konnte bestätigt werde. Zudem wurde zur Überprüfung dieser Hypothese erstmals sowohl die Berechnung mit dem "normalen Flow" als auch dem (viel konsistenteren) "korrigierten Flow" vorgenommen. Die Überprüfung mit dem t-Test für unabhängige Stichproben zeigte, dass die Gruppe "von zuhause" (Wahlfreiheit gegeben) signifikant stärker (p = .058) Flow erlebt als die Gruppe "von Uni" (Wahlfreiheit eingeschränkt). Das Signifikanzniveau erhöht sich (p = .043) als beim t-Test mit dem Wert des "korrigierten Flow" gerechnet wurde. Der Vergleich mit den Extremgruppen "wenig Flow" und "viel Flow" (CHI-Quadrat Test) konnte diese Ergebnisse bestätigen. Vorhandene Wahlfreiheit bzw. verminderte soziale Kontrolle beeinflußt die Ausprägung von Flow signifikant. Personen die zu Hause im Internet surfen, erleben Flow stärker als solche im Computerhörsaal.

Hypothese H5: Es besteht ein Zusammenhang zwischen der Art der Tätigkeit im Internet und der Ausprägung von Flow. Diese Hypothese konnte nicht bestätigt werden. Es gibt keinen signifikanten Unterschied von Flow in Abhängigkeit der Tätigkeiten News lesen, Informationen (Freizeit) beschaffen, Informationen (Studium/Beruf) beschaffen, Spiele, emailen, chatten und Bilder ansehen. Lediglich nach der Berechnung mit dem "korrigierten Flow" zeigte sich, dass kommunikative Tätigkeiten (Email, chatten,...) tendenziell Flow eher fördern als reine Informationsbeschaffung im Internet. Es besteht jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen der Art der Tätigkeit im Internet und der Ausprägung von Flow.

Das Ausmaß an Flow ist annähernd bei jeder Tätigkeit gleich, ein Sachverhalt der mit Ergebnissen zu bisherigen Untersuchung zum Flowerlebnis je nach Tätigkeit "in der realen Welt", übereinstimmt. In der Mehrzahl der Studien zu diesem Thema konnte kein signifikanter Unterschied von Flow bei gewissen Tätigkeiten festgestellt werden, es konnte jedoch sehr wohl gezeigt werden, dass "nichtstun" oder "fernsehen" mit sehr geringen Werten von Flow korrelieren. Andere Studien machen wiederum deutlich, dass es gewisse Tätigkeiten gibt, nämlich solche die uns alles an Konzentration abverlangen, wie z.B. Berg steigen, Schach spielen oder Wellen reiten, die flowförderlich wirken.

Hypothese H9a: Es gibt eine Korrelation zwischen der Ausprägung von Flow und den Maßen zur Kontrollüberzeugung einer Person. Diese Hypothese konnte bestätigt werden. Die Korrelationsmatrix bestätigt einen signifikant positiven Zusammenhang der Skala SKI des Fragebogens zur Kompetenz- und Kontrollüberzeugung (FKK) mit Flow, sowie einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Gesamtwert des FKK und Flow. Die Skala PC des FKK korreliert nicht mit dem Maß für Flow. Es zeigt sich ein Zusammenhang von Flow mit sämtlichen Maßen zur Kompetenz- und Kontrollüberzeugung, doch ist hier noch nicht klar in welche Richtung dieser verlauft (d.h. ob Flow interne Kontrollüberzeugung beeinflußt oder umgekehrt) bzw. ob es eine dritte Variable gibt, die diese beeinflussen. Das Ergebnis wurde bestätigt durch die Prüfung von Hypothese H9b: Menschen, die wenig Flow erleben unterscheiden sich von solchen, die viel Flow erleben hinsichtlich der Maße zur Kontrollüberzeugung. Dies bedeutet, dass Personen mit höherem Flowwert eine signifikant höhere interne Kontrollüberzeugung sowie einen höheren Gesamtwert der Kompetenz- und Kontrollüberzeugung haben (und umgekehrt), als solche mit niedrigerem Flowwert. Persönlichkeitsmerkmale, die die Erfahrung von Flow begünstigen wären demnach hohes Selbstbewußtsein, Sicherheit in Handlungsplanung und -realisation, Ideenreichtum in neuen Situationen, relative Unabhängigkeit von Zufallseinflüssen, geringe Fremdbestimmung, hohe Autonomie und Handlungsorientierung, alles Merkmale einer hohen Selbstwirksamkeit (FKK-SKI).

Hypothese H12a: Es gibt eine Korrelation zwischen der Ausprägung von Flow, Interneterfahrung und Internetsucht. Diese Hypothese konnte nicht bestätigt werden. Hypothese H12b: Menschen, die wenig Flow beim Surfen erleben unterscheiden sich von solchen, die viel Flow erleben hinsichtlich der Interneterfahrung und hinsichtlich der Internetsucht. Auch der Extremgruppenvergleich mittels t-Test konnte keinerlei Zusammenhänge bestätigen. Somit ist Flow beim Internetsurfen weder von der Interneterfahrung der Person abhängig, noch hängt es mit den angegebenen Werten zur Internetsucht irgendwie zusammen. Das Ergebnis entspricht nicht meinen Erwartungen, da ein flowoptimistischer Ansatz durch eine negative Korrelation von Flow und Internetsucht keinerlei (inhaltlichen) Zusammenhang zwischen Flow und Sucht (nach einer Tätigkeit) beweisen würde, ein flowpessimistscher Ansatz hingegen durch eine positive Korrelation zwischen Flow und (Internet-)Sucht den Zusammenhang zwischen diesen beiden Konstrukten bestätigen würde. Ein Grund für das nicht erwartete Ergebnis könnte die mangelnde Validität des selbst konstruierten, jedoch nicht normierten Testinstruments sein. Die Skala zur Internetsucht wurde aus den Kriterien zur Spielsucht des DSM IV abgeleitet und ist anderen, in internationalen Studien verwendeten Internetdependenzskalen (Hahn & Jerusalem, 2000) sehr ähnlich.

Interpretation und Diskussion

Allgemein gesehen entsprechen die meisten Ergebnisse durchaus den Erwartungen. So konnte in dieser Untersuchung die innere Konsistenz von Flow (unter Ausschluß von zwei Faktoren) bestätigt werden. Das "korrigierte Flow" besteht somit aus den sechs Faktoren autotelische Erfahrung (positiver Affekt), Zielorientierung, Konzentration, Kontrolle, Involvement und Erwartung, die zueinander hoch konsistent sind. Somit können diese zu "Flow" zusammengefaßt werden. Die Validität des Konstrukts innerhalb eines gewissen Settings (hier: Internet) ist wiederum Voraussetzung um mit diesem Berechnungen durchführen zu können.

In der Überprüfung des Einflusses von situativen Variablen konnten der Großteil der Erwartungen bestätigt werden. Wie im "realen Leben", zeigt sich auch im virtuellen Raum, dass eine längere Beschäftigung mit einer Tätigkeit, sowie eine subjektiv gute Struktur der Aufgabe/des Umfeldes, der Wahrscheinlichkeit des Eintretens und des Ausmaßes der Intensität von Flow förderlich sind. Eine weitgehende Unabhängigkeit von der Tätigkeit (es reicht, wenn etwas aktiv "getan" wird) des Flow-Erlebnisses bestätigt sich auch im Intenet. Ich vermute, dass generell Internetsurfen, als interaktive Tätigkeit, Flow eher zuläßt, im Gegensatz zu passiven Tätigkeiten, wie fernsehen etc. Doch dies zu bestätigen bedarf eigener Untersuchungen, und bleibt vorerst reine Spekulation.

Ebenso konnte in der Studie die Haupthypothese bestätigt werden, nämlich eine kausale Abhängigkeit des Flow vom Ausmaß an Wahlfreiheit. Es zeigte sich, das die Gruppe mit viel Wahlfreiheit / wenig soziale Kontrolle (Surfen zuhause) weit höhere Werte von Flow erreichte, als die Gruppe mit wenig Wahlfreiheit/ großer sozialen Kontrolle (Surfen im überfülltem Computerhörsaal). Das Ergebnis deckt sich mit dem einer Untersuchung mit Musikern (Schubert, 1997), die in der Kontrollbedingung in Anwesenheit und auf Kommando des Versuchsleiters musizierten und in der Versuchsbedingung allein bei sich zuhause musizierten, wobei das Stück auf Tonband aufgenommen wurde, jedoch der Zeitpunkt der Spiels frei wählbar war. Wie zu erwarten notierten die Teilnehmer der Versuchsgruppe (Wahlfreiheit) signifikant höhere Werte von Flow.

In der Überprüfung des Einflusses von Persönlichkeitsvariablen stimmen die Ergebnisse nur teilweise mit den Erwartungen überein. Eine interne Kontrollüberzeugung, eine weitgehende Unabhängigkeit von Zufallseinflüssen, hohes Selbstvertrauen, handlungsorientierung, die Tendenz eine (schwierige) Situation als Herausforderung wahrzunehmen korrelieren hoch mit der Fähigkeit Flow zu erleben. Dies konnte in einer Reihe von Studien bestätigt werden (Logan, 1988; Massimini, Csikszentmihalyi und DelleFave, 1988). Hingegen zeigt sich kein Zusammenhang zur augenscheinlichen "spielerischen Grundhaltung", eine Skala die jedoch eher die Vorliebe für Freizeitaktivitäten und -verhalten im Verhältnis zu anderen Tätigkeiten mißt, anstatt Spannungsfreiheit und Lockerheit zu beleuchten. Überraschend auch das Ergebnis, dass es überhaupt keinen Zusammenhang zwischen Flow, Interneterfahrung und Internetsucht gibt.

Bezüglich der Validierung und Messung von Flow sei anzumerken, dass neuerdings eine Vielzahl von Studien über Flow mit posthoc-Befragungen vermeintliche Flowerlebnisse erfassen. Dabei sei anzumerken, dass eine einmalige direkte Abfrage von Erlebnissen "..die vom Probanden als flow-ähnlich eingestuft werden (Hoffman, 1999)" mit sogenannten "Flowbögen" nicht in diesem Maße gültig sind, wie Zeitstichprobentagebücher, da sich der Betroffene in der Regel kaum an alle Flow-Aktivitäten erinnern kann, oft gar nicht weiß was mit "Flow" gemeint sei und zudem Flow schwer mit gewissen Tätigkeiten oder Situationen in Zusammenhang gebracht werden kann. Die Experience Sampling Method und, ganz allgemein, die Methode der Zeitstichprobentagebücher kann Flow dagegen direkt an der Tätigkeit und mit einer "höheren Auflösung" messen. Daher sind nach meiner Meinung die Überprüfung und Messung von Flow nur mit dieser zulässig.

Schlußfolgerung

Meines Wissens sind Untersuchungen von Flow, dem Zustand zwischen Langeweile und Angst, im Internet sehr rar. Da die Zahl der User von Tag zu Tag steigt und dieses Medium ein tragende Rolle in unserer Gesellschaft zu übernehmen beginnt, ist intensivere Forschung in diesem Bereich angebracht.

Diese im deutschsprachigen Raum, erstmalig mit Zeitstichprobenaufzeichnungen, durchgeführte Studie zum Thema "Flow im Internet" soll sowohl dem eMarketing (insbesondere den Webpagedesignern), als auch den Forschern des Mediums, speziell jenen, die sich mit den gesundheitspsychologischen Auswirkungen beschäftigen, neues Wissen, Erkenntnisse und Denkanstöße vermitteln.

Literatur (Auszug)
Csikszentmihalyi, M. & Csikszentmihalyi, I. S. (1988). (Eds.). Optimal Experience. Psychological Studies of Flow in Consciousness. Cambridge University Press.
Csikszentmihalyi, M. (1990). Flow. The Psychology of Optimal Experience. Harper & Row, Publishers, New York.
Hahn, A. & Jerusalem, M. (2000). Entwicklung eines Diagnostischen Instruments zur Internetsucht und Befunde aus drei Online-Studien. Posterhandout. 42. Kongreß der deutschen Gesellschaft für Psychologie: Jena.
Hahn, A. & Jerusalem, M. (2001). Internetsucht. URL: http://www.internetsucht.de
Larson, R. (1988). Flow and writing. In M. Csikszentmihalyi & I. S. Csikszentmihalyi (Eds.), Optimal Experience. Psychological Studies of Flow in Consciousness. (p. 150-171). Cambridge University Press.
Logan, R. D. (1988). Flow in solitary ordeals. In M. Csikszentmihalyi & I S. Csikszentmihalyi (Eds.), Optimal Experience. Psychological Studies of Flow in Consciousness. (p. 172-180). Cambridge University Press.
Massimini, F., Csikszentmihalyi, M. and Delle Fave, A. (1988). Flow and biocultural evolution. In M. Csikszentmihalyi & I S. Csikszentmihalyi (Eds.), Optimal Experience. Psychological Studies of Flow in Consciousness. (p. 60-84). Cambridge University Press.
McIlwraith, R. D. (1998). "I' m addicted to Television": The Personality, Imagination, and TV Watching Patterns of Self-Identified TV Addicts. Journal of Broadcasting & Electronic Media, 98, 371-386.
Mielke, R. (1982). (Hg.). Interne, externe Kontrollüberzeugung : Theoretische und empirische Arbeiten zum Locus of Control-Konstrukt. Bern, Wien: Huber,
Schubert,B. (1997). Das Flow-Erleben - Emotionale Aspekte des Flow bei MusikerInnen unter besonderer Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Charakteristika. Unveröffentlichte Diplomarbeit: Universität Wien.
Schwager, U. (1995). Das flow-Erleben von Mihaly Csikszentmihalyi als intreinsischer Motivationsfaktor beim Computerspielen. Unveröffentlichte Diplomarbeit: Universität Wien.
Vitouch, P. (1996). (Hg.). Cognitive Maps und Medien : Formen mentaler Repräsentation bei der Medienwahrnehmung. Frankfurt am Main, Wien : Lang.

(c) Robert Tzanetakis