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This is the http://kiwi.uni-psych.gwdg.de/congress/gor-2001/contrib/contrib/silberer-guenter/contrib/orthmann-claudia/orthmann-claudia Document.
Main Author: Orthmann, Claudia
Co-Authors:
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Institution: Institut für Pädagogische Psychologie und Medienpsychologie, Freie Universität Berlin
Contribution Title: Methoden und Probleme der Datenerhebung in der qualitativen Chat-Forschung.
Authors Email: orthmann@cmr.fu-berlin.de
URLs:
http://www.cmr.fu-berlin.de/~orthmann/chatkomm/
Abstract
German (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 1704)
German: Im Rahmen des von der Berlin-Forschung geförderten Projekts Prozessanalyse der
Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Internet wird die Chat-Kommunikation
von Berliner Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-17 Jahren erforscht. Die Chat-
Kommunikation wird hierbei anhand von Chat-Logfiles mit Hilfe der Konversationsanalyse
hinsichtlich dem Kommunikationsprozess zugrundeliegender interaktiver Regeln und
Strukturen untersucht.
Zur Untersuchung der kommunikativen Vorgänge wurden während der Datenerhebung
verschiedene Verfahren der Protokollierung von Chaträumen getestet und hinsichtlich ihrer
Datenqualität bewertet. Im Zuge der Datenerhebung und der vielfältigen Probleme (z.B. bei
der Protokollierung von Webchats) entstanden zwei Datensammlungen: Der größere
Datenkorpus besteht aus Logfiles eines Berliner Kinder- und Jugendchats durch den Zugriff
auf den Chatserver. Der zweite Datenkorpus besteht aus Screenshots von Webchats, die im
Rahmen eines quasi-experimentellen Settings entstanden. Neben der Chat-Kommunikation
wurden in diesem Setting auch zusätzliche Daten zur Gesprächssituation erhoben, u.a. durch
Interviews und das Filmen der Chatter während des Chat-Prozesses.
Das Poster stellt anhand der Datensammlungen des Projektes Methoden und Probleme der
Datenerhebung in der qualitativen Chat-Forschung dar. Aspekte wie die Anonymität der
Chatter, die technischen Funktionsweisen der einzelnen Chatsysteme und ihre
Protokollierbarkeit sowie Fragen zur Forschungsethik haben einen großen methodischen und
methodologischen Einfluß auf die Datensammlung in der Chat-Forschung.
English: The research project "Process analysis of the communication of children and adolescents in the Internet" analyses the chat communication of 10- to 17-year-old children and adolescents of Berlin. The analysis focuses on the identification of interactional forms and practices of childrens and adolescents chat communications by means of conversation analysis of the chat log-files.
Several methods of collecting chat log-files with regard to the resulting data quality were tested during the study. Due to the manifold problems (e.g. with logging public webchats) the process of data collection resulted in two sets of data: The bigger data corpus consists of log-files of a Berlin youth chat which were produced by remote access to the chat server. The second data collection consists of thousands of screenshots from webchats that were created in an experimental setting. This setting also allowed for the collection of further data of the conversational situation such as interviews as well as videos of the chatter during chatting.
The poster presents methods and problems of data collection of qualitative chat research based on the data collections of the project. Special aspects like the chatters anonymity, the technical functions of the tested chat systems and their possibilities to log the chat as well as the question of ethics in chat research have an immense relevance for the methods and methodology of data collection in the field of chat research.
Article
(version: 25/06/2002 - 07:47, size: 13020)
Abstract Im Rahmen des von der Berlin-Forschung geförderten Projekts "Prozessanalyse der Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Internet" wird die Chat-Kommunikation von Berliner Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-17 Jahren erforscht. Die Chat-Kommunikation wird hierbei anhand von Chat-Logfiles mit Hilfe der Konversationsanalyse hinsichtlich dem Kommunikationsprozess zugrundeliegender interaktiver Regeln und Strukturen untersucht. Zur Untersuchung der kommunikativen Vorgänge wurden während der Datenerhebung verschiedene Verfahren der Protokollierung von Chaträumen getestet und hinsichtlich ihrer Datenqualität bewertet. Im Zuge der Datenerhebung und der vielfältigen Probleme (z.B. bei der Protokollierung von Webchats) entstanden zwei Datensammlungen: Der größere Datenkorpus besteht aus Logfiles eines Berliner Kinder- und Jugendchats durch den Zugriff auf den Chatserver. Der zweite Datenkorpus besteht aus Screenshots von Webchats, die im Rahmen eines eher als experimentell zu bezeichnenden Setting entstanden. Neben der Chat-Kommunikation wurden in diesem Setting auch zusätzliche Daten zur Gesprächssituation erhoben, u.a. durch Interviews und das Filmen der Chatter während des Chat-Prozesses. Das Poster stellt anhand der Datensammlungen des Projektes Methoden und Probleme der Datenerhebung in der qualitativen Chat-Forschung dar. Aspekte wie die Anonymität der Chatter, die technischen Funktionsweisen der einzelnen Chatsysteme und ihre Protokollierbarkeit sowie Fragen zur Forschungsethik haben einen großen methodischen und methodologischen Einfluß auf die Datensammlung in der Chat-Forschung.Einleitung Die Datenerhebung in der qualitativen Chat-Forschung gestaltet sich in vielen Forschungsprojekten schwieriger als ursprünglich erwartet. Aufgrund der Digitalisierung wird weitläufig angenommen, dass die Forschung im Internet sich relativ einfach gestaltet, da ja die Daten in den Rechnern sowieso vorhanden sind (vgl. Jones 1999, Köhler 1999). Sicherlich bieten einige computergestützte Verfahren neue Möglichkeiten für die qualitative Sozialforschung, die meisten bislang eingesetzten Methoden der Online-Forschung sind jedoch der quantitativen Forschung zuzuordnen: z.B. Online-Fragebögen, statistische Server-Log-Analysen oder experimentelle Forschung zu wahrnehmungspsychologischen Aspekten. Der Zugang zu den Daten der Chat-Kommunikation ist nicht immer leicht. Einige Forscher sammeln solche Daten, in dem sie z.B. selbst Chats aufsuchen, an diesen teilnehmen oder lurken und loggen dabei die Gespräche mit (z.B. Danet 1998). Andere Forscher bedienen sich experimenteller Settings (s.a. Klemm & Graner 2000) oder eröffnen eigene Chats oder Chaträume/-kanäle. Diese Verfahren werden im Folgenden als "chat(-raum)-zentriert" bezeichnet, da der genutzte Chat während der Datenerhebung derselbe bleibt (s. Tab. 1). Der im Forschungsprojekt "Prozessanalyse der Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Internet" gesuchte Zugang zu den Daten gestaltete sich komplizierter, da das Alter der Chatter eine Rolle spielte. Deshalb wurden neben einem chatzentrierten Zugang (Datenkorpus EC) zusätzlich die Möglichkeiten der "chatterzentrierten" Datenerhebung getestet (Datenkorpus CMR). Die chatter-zentrierte Datenerhebung bringt allerdings vielfältige Probleme mit sich, die in Ausschnitten vorgestellt werden.
Chat-zentrierte Datenerhebung
Im vorgestellten Forschungsprojekt wird die Chat-Kommunikation von Kindern und Jugendlichen im Alter von 10-17 Jahren untersucht. Aufgrund der normalerweise bestehenden Anonymität von Chattern, die zuverlässige Aussagen über das Alter der Chatter nicht erlaubt, wurde die Kooperation mit einem von Berliner Einrichtungen unterstützten Kinder- und Jugendchat gesucht. Dieser Chat wird seit einem Jahr donnerstags von 16-18 Uhr von den lokalen Einrichtungen als virtueller Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen genutzt. Mittels einer kleinen Umfrage wurde die Beobachtung validiert, dass in diesem Zeitraum außer dem Moderator ausschließlich Kinder und Jugendliche dort chatten. Der Forscherin wurde freundlicher Weise mithilfe des Passworts Zugang zum Chat-Server und damit den Logfiles der Chaträume gewährt, so dass von Juli bis Dezember 2000 die Logfiles gespeichert werden konnten (vgl. Abb. 1). Aus forschungsethischer Sicht ist es wichtig zu betonen, dass nur die "öffentliche" und keine "private" Kommunikation ("Flüstern", chatten in "Separees" etc.) protokolliert wird. Den Chattern ist theoretisch durch die lokalen Praxen und Bedingungen der Internetnutzung bekannt, dass ihre Nutzung überwacht und gespeichert wird. Relevant für eine detaillierte Auswertung (z.B. mit Hilfe der Konversationsanalyse) der Chat-Kommunikation sind die Bestandteile eines Logfiles: Systemmeldungen (wie das Betreten oder Verlassen des Chats durch einen Chatter) sind neben der Zeitangabe von Aktionen und Handlungen wesentliche Informationen für die qualitative Analyse eines Chat-Logfiles. Mit ihrer Hilfe entsteht im Logfile eine annähernd identische Speicherung der Gesprächssituation, die um einiges detailgetreuer ist als beispielsweise die Transkription von Telefongesprächen, obgleich zeitliche Aspekte wie das "Hängen" eines Chats oder die Zeitverzögerung zwischen dem Abschicken einer Aktion und dem Erscheinen auf den eigenen bzw. fremden Monitoren zwangsläufig fehlen.
Für das vorgestellte Forschungsprojekt sollten jedoch über Aussagen zu Strukturen der Chat-Kommunikation hinaus u.a. Aussagen zum Verhältnis zwischen der Interaktion von (mehreren) Nutzern vor dem Bildschirm und ihrer Chat-Kommunikation gemacht werden. Für die Untersuchung dieser Fragen waren die Daten der chat-zentrierten Erhebung (Logfiles) nicht geeignet, so dass parallel ein zweiter Datenkorpus erhoben wurde. Bei diesem wurden verschiedene Methoden trianguliert. Massive technische Probleme entstanden bei den begleitenden Versuchen, weitestgehend nicht-reaktiv, d.h. ohne durch die Forschung die Situation zu beeinflussen, die Chat-Kommunikation in Webchats zu erheben.
Chatter-zentrierte Datenerhebung: Probleme der Logfile-Generierung Die jugendlichen Teilnehmer des Forschungsprojektes wurden in die Uni eingeladen, um einen dort zur Verfügung gestellten Computer mit Internetzugang zum Surfen, Chatten, etc. zu nutzen. Vor der ersten Internetsitzung mussten sie eine Einverständniserklärung der Eltern vorweisen, einen Fragebogen ausfüllen und ein kurzes Interview zu ihrer Interneterfahrung geben. Die Datenerhebung zeigte, dass mit einer Ausnahme alle Teilnehmer diverse Webchats bevorzugten, welche jedoch grösstenteils keine Möglichkeit zur Logfile-Generierung bieten. Die Chatkanäle des IRC, welche sich im Vergleich zu Webchats problemlos hätten mitloggen lassen, waren den Jugendlichen selten bekannt. Ein Teilprojekt zum Chatten im IRC, wurde wegen der Schwierigkeiten, jugendliche IRCer in Berlin zu finden und zur Teilnahme zu bewegen, eingestellt. Da die Videoaufnahmen von den Teilnehmern in Zusammenhang mit ihrer Chat-Logfiles gestellt werden sollten (s. Datenresultat in Abb. 2), wurde auf verschiedenen technischen Wegen nach Lösungen zur Erhebung bzw. Generierung der Logfiles gesucht. Die Teilnehmer sollten in ihren gewohnten Chats kommunizieren können, so dass kein experimentelles Setting mit einem speziellen Chat vorgegeben werden konnte. Es wurde festgestellt, dass die Chatter in einer Sitzung häufig von einer URL bzw. einem Webchat zum nächsten "sprangen", weshalb eine Kooperation mit den entsprechenden Chat-Anbietern z.B. von "www.rtl.de" keine Alternative darstellte. Das während der Sitzungen auf Video aufgenommene Monitorgeschehen hatte bei analoger Aufnahme eine für eine Transkription zu schlechte Auflösung und ohne eine teure technische Rechnerausstattung ließ sich das Monitorgeschehen ebensowenig zufriedenstellend als digitales Video speichern und nachbereiten. Nach diversen Tests stellte sich folgende Prozedur als in unserem Rahmen einzig realisierbare heraus: Die Datengrundlagen für die Logfiles wurden erhoben, indem über eine Netzwerksoftware ("Timbuktu Pro") die Bildschirmansicht der Teilnehmer auf einen entfernten Rechner gespiegelt wurde und auf diesem Rechner automatisch alle 12 Sekunden Screenshots der Ansicht gemacht wurden (s. Abb. 3).
 Der Vorteil bei dieser Methode war, dass die Teilnehmer nicht durch die Erstellung der Bildschirmfotos in ihrer Internetnutzung gestört wurden, was bei der Speicherung auf demselben Rechner der Fall war. Allerdings birgt diese Erhebungsmethode einen massiven, zeitlichen Nachbereitungsaufwand in sich, da jedes Bildschirmfoto in mehreren Schritten in einem Grafikprogramm freigestellt und anschließend in einem Textverarbeitungsprogramm zu einem zusammenhängenden Logfile zusammengesetzt werden muss. Pro Sitzung entstanden rund 450 Bildschirmfotos. Somit handelt es sich leider um eine wenig effiziente Methode, die im Hinblick auf die Erhebung von Chat-Logfiles nur bedingt empfohlen werden kann.
Zusammenfassung Die beschriebenen Probleme der Datenerhebung entstanden meist durch die technischen Grenzen bei der Realisierung. Das Vorhaben,ein weitestgehend nicht-reaktives, chatter-zentriertes Setting zu schaffen, wurde nur in Ansätzen realisiert. Die während der Testerhebungen gesammelten Erfahrungen zeigen, dass jede Veränderung des Untersuchungsdesigns starke Auswirkungen auf die methodischen Grundvoraussetzungen einer Studie hat. Während uns diese Erfahrung einerseits half, eigene Vorannahmen über die Chat-Kommunikation zu explizieren, machte sie es andererseits unmöglich, das angestrebte methodische Design beizubehalten. Aufgrund des Ziels, die alltägliche Chat-Kommunikation von Kindern und Jugendlichen in ihrer gewohnten Kommunikationskultur zu erheben, wurde das Untersuchungsdesign im Laufe der Studie mehrmals den Erhebungsbedingungen angepasst. Dabei wurden experimentelle Elemente wie Videoaufnahmen der Sitzungen und die Durchführung der Erhebung an Uni-Rechnern in Kauf genommen. Der Umgang mit forschungsethischen Problemen in Online-Umgebungen (z.B. in Bezug auf die Zustimmung aller Chatter in einem Chat zur Verwendung des Materials) oder allgemeinen Problemen (wie dem Umgang mit dem Verhältnis der Anonymität von Internetnutzern und der demographischen Informationen über diese) sind ebenfalls wichtige Aspekte für die Forschungsplanung, Lösungen oder Kompromisse in diesen Bereichen lassen sich allerdings im allgemeinen leichter finden als Lösungen bezüglich der technischen Probleme des Forschungsalltags. Es lässt sich zusammenfassen, dass bislang keine geeignete nicht-reaktive Methode zur chatter-zentrierten Datenerhebung in Webchats existiert. Es bleibt zu hoffen, dass mit fortschreitender technischer Entwicklung im Bereich der Online-Forschung dieser Mangel behoben wird, und eine entsprechende Software entwickelt werden wird. Ausblick
Derzeit wird die Auswertung des "Datenkorpus CMR" vorgenommen. Der analytische Schwerpunkt liegt dabei auf der interaktiven Aushandlung der Gesprächspartner untereinander und die Beziehung zwischen der allgemeinen Plauderei und der sich teilweise anschließenden Zweierkommunikation. Von den Jugendlichen, die zur Internetnutzung ins CMR kamen, werden anhand des Materials Falldarstellungen erarbeitet, welche einen Einblick in die verschiedenen Vorgehensweisen erlmöglichen. Erste Ergebnisse werden im Dezember 2001 veröffentlicht. Literatur
Danet, Brenda; Ruedenberg, Lucia; Gurion, Ben & Rosenbaum-Tamari, Yehudit (1998). "Hmmm ... Where's that Smoke coming from?" Writing, Play and Performance on Internet Relay Chat In: Sudweeks, F,; McLaughlin, M. L. & Sheizaf, R. (Hrsg.): Network and Netplay: virtual groups on the Internet. Cambridge, M.A: MIT Press. S. 41-76. Jones, Steve (Hrsg.). Doing Internet Research. Critical Issues and Methods for Examining the Net. Thousand Oaks: Sage Publications, 1999. Klemm, Michael & Graner, Lutz: Chatten vor dem Bildschirm: Nutzerkommunikation als Fenster zur alltäglichen Kommunikationskultur. In: Thimm, C. (Hrsg.) Soziales im Netz. Sprache, Beziehungen und Kommunikationskulturen im Internet. Opladen: Westdeutscher Verlag 2000, S. 156-179. Köhler, Thomas (1999). Methodik und Methodologie der Forschung zur Internet-Kommunikation. In: Frindte, W. & Köhler, T.: Kommunikation im Internet. Frankfurt a. Main: Peter Lang Verlag, S. 183-195. Kontakt Freie Universität Berlin, FB Erziehungswissenschaft & Psychologie, Institut für Pädagogische Psychologie und Medienpsychologie, Center for Media Research (CMR), Dipl.-Psych. Claudia Orthmann Malteser Str. 74-100, 12249 Berlin Email: orthmann@cmr.fu-berlin.de,
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