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Main Author: Mangold, Roland

Co-Authors: ;

Institution: Lehrstuhl Psychologie III, Universität Mannheim

Contribution Title: Netzgestützte Trainings – the best of both worlds?

Authors Email: mail@mangold-training.de

URLs:
http://www.mangold-training.de


Abstract German (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 1594)
German: Erst die Integration von Wissensvermittlung und Kommunikation in einem Medium bietet die Voraussetzung für die erfolgreiche Durchführung von virtuellem Gruppenunterricht im Internet. Reine virtuelle Seminare haben jedoch bei Unterrichtsformen ihre Grenzen, bei denen es insbesondere um die Vermittlung von Handlungswissen und Sozialkompetenzen geht, z.B. bei Präsentations-, Moderations- oder Kommunikationstrainings. Allerdings zeigt eine Analyse solcher Trainings, dass auch hier bestimmte Lehrinhalte in Form des Teleteachings vermittelbar sind: durch eine der Präsenzphase vorgeschaltete Netzphase kann das eigentliche Training den Voraussetzungen der Teilnehmer/innen besser angepasst werden, und die Teilnehmer/innen bringen zum Präsenztraining ein themenrelevantes Vorwissen mit. Erfahrungen mit mehreren netzgestützten Präsentationstrainings zeigen, dass wichtige Teilkompetenzen webbasiert trainierbar sind (durch das Durcharbeiten von Webdokumenten, durch die Bearbeitung von Aufgaben, durch die Beurteilung von positiven und negativen Beispielen und durch das Geben von Feedback zu den Lösungen anderer); auf diese Weise wird die Präsenzphase entlastet und vorbereitet. Durch die Verkürzung der erforderlichen Präsenzzeiten und durch das eigengesteuerte Arbeiten konnte die Zufriedenheit der Teilnehmenden erhöht werden. Allerdings sind, wie bei anderen Web-Based-Trainings auch, bei dieser Lehrform insbesondere in der Netzphase gewisse Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um den Lernerfolg abzusichern.
Article (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 13328)

Die bei der Betrachtung des Wissenserwerbs mit Neuen Medien vielfach dominierende Auffassung einer Wissenskonstruktion geht gleichzeitig
mit einer veränderten Sichtweise auf die Rolle des Dozenten/Lehrers/Trainers im Rahmen von Wissenserwerbprozessen einher: Nicht mehr der kenntnisreiche Wissensanbieter, sondern der Coach bzw. Tutor steht im Vordergrund, der den Wissenserwerbsprozess des Lernenden begleitet, ihn bei der Aneignung neuen Wissens berät und zusammen mit ihm Lösungen für sich dabei ergebende Probleme erarbeitet. Tele-Tutoring bedeutet, dass dieser Coaching-Prozess als medialer Kommunikationsprozess abläuft. Aus der Ferne betreut der Trainer bzw. Dozent den Wissenserwerb der Lernenden mit Hilfe von Email, Foren, Chat oder Videokommunikation. Nicht alle Wissensbereiche sind gleichermaßen geeignet für eine Vermittlung aus der Ferne. Telelernen bietet sich für Erwerbsprozesse, bei denen die Vermittlung von Faktenwissen im Vordergrund steht. (In der kognitiven Psychologie wird Faktenwissen auch als deklaratives Wissen bzw. als "Wissen dass" bezeichnet.) Faktenwissen wird in Kontrast gesetzt zu Handlungswissen (prozedurales Wissen, "Wissen wie"), das nicht nur motorische Fertigkeiten, sondern generell eher automatisierte Wissen über Vorgehensweisen bzw. Strategien betrifft. Zielführendes Handlungswissen besteht aus "skills"; Handlungsfertigkeiten finden sich beispielsweise im mathematischen, im physikalisch-technischen oder im sozialen Bereich. Der Erwerb bzw. die Erweiterung sozialer Skills steht im Mittelpunkt (psychologischer) Trainingsmaßnahmen. So werden häufig in Trainings Sozialkompetenzen wie das Kommunizieren im Betrieb, die Moderation und die Leitung von Gruppen, das Lösen von Konflikten oder die Präsentation von Informationen für ein Publikum mit Hilfe von Medien vermittelt. Für die Vermittlung von Faktenwissen aus der Ferne eignet sich das Internet; hier können Lernende Text- und Bildinformationen abrufen und in interaktiver und selbstgesteuerter Form zu deklarativem Wissen machen. Ein Beispiel für entsprechende Inhalte aus der Kognitiven Psychologie stellt das Webangebot und www.incops.de dar.) Auf der anderen Seite scheint das Internet zunächst weniger geeignet für die Durchführung von wie zuvor beschriebenen Trainings sozialer Fertigkeiten, da solches Trainings in hohem Maße auf einem Ausprobieren, auf Rückmeldungen und auf der Beachtung des Verhaltens anderer aufbauen, was einen unmittelbaren (Face-to-Face-) Kontakt voraussetzt. Obwohl, wie bereits erläutert, bei Trainings die (kaum anders als direkt erfahrbare) Verhaltenserprobung und -verbesserung im Vordergrund stehen, gehört auch zu Training gehört in gewissem Umfang deklaratives Fakten- und Regelwissen, bei dem eine Vermittlung über entsprechende Netzangebote nicht ausgeschlossen ist. Die Anteile von deklarativem und prozeduralem Wissen lassen sich am Beispiel eines Präsentationstrainings deutlich machen: (i) Einmal werden im Präsentationstraining solche Verhaltensweisen mit den Teilnehmern/innen besprochen und eingeübt, die unter anderem das Auftreten, die Vortragstechnik, die Sprechweise oder die Koordination des Vortrages mit den Visualierungsmedien betreffen. Solche Verhaltensaspekte werden vorzugsweise im Rollenspiel oder in Übungsfällen ausgeführt und im Anschluss daran erörtert bzw. kritisiert. Die Rückmeldungen des Trainers oder anderer Lernender finden eine optimale Ergänzung durch Videofeedback, bei dem die Aufzeichnung des Präsentationsverhaltens zu Demonstrationszwecken ausschnittsweise abgespielt und im Detail erörtert werden kann. (ii) Zum zweiten gehören zum zielführenden und erfolgreichen Präsentieren auch Wissensbestände, die - zumindest am Anfang - in deklarativer Form vermittelt und repräsentiert werden. (Es ist zu erwarten, dass solche deklarativen Wissensbestände bei entsprechend häufiger Anwendung und Übung in prozedurales Wissen überführt werden können.) Zu solchem Wissen gehört bei einem Präsentationstraining etwa die Einsicht, dass eine Präsentation als Kommunikation zu behandeln ist und somit im Hinblick auf das Ziel, die Publikumsaussage, die Sachaussage und die Selbstausstellung des Vortragenden zu analysieren ist. Zu den deklarativen Wissensfacetten des Präsentieren gehört die Kenntnis der Unterscheidung von Präsentationsarten (Inhalts- vs. Überzeugungspräsentation), von Strategien für Einleitung und Schluss sowie von Hinweisen für die vokale (Sprechführung, Atmung) und nonverbale Ausgestaltung (Gestik, Auftreten, Kleidung etc.). (iii) Einen dritten Aspekt stellen Hinweise zur Foliengestaltung dar. Auch dieses Wissen ist zunächst primär deklarativer Natur und umfasst etwa Hinweise zur Schriftgestatlung, zur Farbwahl, zur Anordnung von Elementen etc. Bei dieser dritten Gruppe von Wissensbeständen ist nicht nur die Vermittlung, sondern auch das Üben über das Netz vorstellbar. (Das gilt nicht für das Übungen der unter (ii) beschriebenen Bestandteile des Präsentationswissens.) So können Teilnehmer zu vorgegebenen Themen Präsentationen erstellen und diese Präsentationsdateien per Email an den Trainer senden. Dieser sieht die eingegangen Ausarbeitungen durch und gibt den Teilnehmern Rückmeldung und konstruktive Kritik. (Im Einzelfall bietet sich auch die Möglichkeit, die Präsentationsdatei eines Teilnehmers zu verändern bzw. zu korrigieren und die veränderte Datei zurückzugeben.) Die Entwicklung des nachfolgend ausführlicher beschriebenen netzgestützten Präsentationstrainings wurde angeregt im Rahmen eines Kooperationsabkommens der Universitäten Saarbrücken und Trier. Obwohl der einen Universität an Lehrveranstaltungen der anderen Universität teilnehmen können und Leistungsscheine wechselseitig anerkannt werden, wurde bald deutlich, dass die Studierenden das Angebot der jeweils anderen Universität zwar gerne für sich nutzen würden, dass viele aber aufgrund der Entfernung (ca. 100 km) nicht vierzehntägig und schon gar nicht jede Woche zur Partneruniversität fahren würden, sondern maximal drei- oder viermal pro Semester die Strecke in Kauf nehmen würden. Ein im Sommersemester 1998 an der Universität Saarbrücken angekündigtes Präsentationstraining fand großes Interesse auch der Psychologiestudierenden an der Universität Trier. Vor dem Hintergrund der zuvor beschriebenen Einschränkungen sollten bei diesem Training, um die erforderlichen Präsenzzeiten kurz halten zu können, alle über das Netz vermittelbaren Komponenten des Präsentationswissens aus der Präsenzphase herausgenommen werden. Hierzu zählen u.a. ein als interaktives Webdokument aufbereitetes Skript zu den Grundlagen des Präsentierens sowie Aufgaben zur Vertiefung des Skriptinhaltes. Zur Förderung der Kommunikation zwischen den Teilnehmern enthielt das Netzangebot auch die Emailadressen aller Teilnehmer/innen. Alle eingereichten Aufgabenlösungen wurden vom Trainer kommentiert und zusammen mit diesen Kommentaren in das Netzangebot integriert. Die Teilnehmer/innen waren gehalten, selbst auch Rückmeldungen zu den Ausarbeitungen zu geben; diese Kommentare wurden in einer zweiten Runde ebenfalls in das Netzangebot integriert (= moderiertes Forum).Im Verlauf der Netzphase von acht Wochen fertigten die Teilnehmer/innen eine Analyse ihrer Präsentationssituation an und erstellten eine Präsentation (Dauer: 20 min), die im Rahmen des Präsenztrainings die Grundlage für die Verhaltensübungen darstellte. Mit finanzieller Unterstützung der Universität Saarbrücken (Anreizmittel zur Verbesserung der Lehre) wurde das netzgestützte Präsentationstraining in seiner ersten Form entwickelt und im SS 98 mit zwei gemischten Gruppen aus (jeweils n=8) Teilnehmern/innen der Universitäten Saarbrücken und Trier sowie im WS 1999/2000 mit einer Gruppe von acht Studierenden der Universität Mannheim durchgeführt. Das Training wurde danach gründlich überarbeitet und wird jetzt auf einer eigenen Website (www.mangold-training.de) bereitgestellt und durchgeführt. Das netzgestützte Präsentationstraining ist in seiner jetzt vorliegenden Form unterteilt in eine Präsenz- und eine Netzphase. ((i) Die Präsenzphase setzt sich zusammen aus einer "Kickoff-Veranstaltung" zu Beginn sowie - je nach Gruppengröße - einem oder zwei Abschluss- bzw. Übungstagen. Der Kickoff-Termin (Dauer: ein Vormittag) dient dem Kennenlernen der Teilnehmer/innen; an diesem Tag wird in Gruppenarbeit eine Spontanpräsentation zu den Erwartungen der Teilnehmer/innen erstellt, die Regeln des Gebens von Feedback werden erläutert und am Beispiel der Spontanpräsentation eingeübt. Zudem wird den Teilnehmer/innen das Netzangebot in seinen diversen Facetten erläutert. Am Abschlusstag werden die im Verlauf der Netzphase von den Teilnehmerinnen erstellten Präsentationen dargeboten. Das Thema der Präsentation sollte dem Arbeitsgebiet der jeweiligen Teilnehmer/innen entnommen sein; als Dauer der Präsentationsdarbietung sind 15 Minuten vorgegeben. Die Teilnehmer/innen sind gehalten, bei der Darbietung nach Möglichkeit multimediale Elemente des verwendeten Präsentationsprogrammes zum Einsatz zu bringen (animierte Folienübergänge, Animationen auf Folien, Klänge, Musik). Am Abschlusstag werde die Präsentationen mit Hilfe einer Computer-Beamer-Kombination in einem Raum der beauftragenden Institution vorgeführt. Auf diese Weise können die Teilnehmer/innen Erfahrungen mit elektronischen Präsentationen sammeln. Die Präsentationsdarbietungen werden aufgezeichnet; die Teilnehmerinnen erhalten nach Abschluss des Training eine Videocassette mit ihrer Darbietung sowie eine ausführliche Rückmeldung des Trainers. (ii) Das Netzangebot umfasst ein Skript zur Präsentation, Aufgaben zum Skript, Beispiele von gelungenen und weniger gelungenen Präsentationen sowie eine "Tipps-und-Tricks-Ecke". Es hat sich als sinnvoll erwiesen, auf das interaktive Lehrangebot zu den Grundlagen des Präsentierens zu verzichten und vielmehr den Personen ein ausdruckbares Skript als Datei zur Verfügung zu stellen. (Die Teilnehmer möchten bei der Lektüre nicht an den Rechner gebunden sein und auch nicht für verbrauchsbezogene Onlinekosten aufkommen müssen.) Als Aufgaben wurden vorgegeben: (1) Erstellen eines Aushangs für das schwarze Brett zur Ankündigung des Präsentationstrainings, die Kommentierung vorgegebener Präsentationsbeispiele und die Integration von Animationen und Klängen in eine vorgegebenen Präsentationsdatei. Außerdem sollten die Teilnehmer/innen für ihre Präsentation eine ausführliche Situationsanalyse erstellen sowie eine Präsentation für den Abschlusstag erstellen. Die entsprechenden Präsentationsdateien sollen einige Zeit vor dem Abschlusstag dem Trainer sowie einem vorbestimmten "Coaching-Partner" zugeschickt werden, um so Rückmeldungen, Anregungen und Verbesserungsvorschläge zu erhalten. Im Rahmen einer Kooperation mit einer Akademie im Raum Karlsruhe konnten weitere Erfahrungen zu den Einsatzmöglichkeiten des netzgestützten Präsentationstraining gesammelt werden. Insbesondere waren folgende Punkte auffallend: (i) Zur Benutzung des Webangebotes gehört eine (nicht nur technische) Medienkompetenz. Probleme, die sich mit der Benutzung von Emailprogrammen, Präsentationsprogrammen oder eine virtuellen Gruppenraums (www.nicenet.org) ergeben, stellen gelegentlich ein ernst zu nehmendes Hindernis dar. In diesem Zusammenhang ist die "Kickoff"-Veranstaltung außerordentlich wichtig, bei der die Benutzung des Webangebotes vorgestellt und besprochen werden kann. (ii) Insbesondere in der Mitte der Netzphase bzw. zu Zeiten verstärkter anderweitiger Aktivitäten (Weihnachten, Ostern) haben die Teilnehmer/innen große Schwierigkeiten, Aufgabenbearbeitungen rechtzeitig einzureichen oder Bearbeitungen anderer zu kommentieren. Es ist sehr wichtig, in solchen Zeiten die Einhaltung der Vorgaben nicht zu rigide durchzusetzen und die Teilnehmer/innen mit Hilfe verständnisvoller Emails zu motivieren. (Die Gefahr eines Drop-Outs ist in solchen Phasen am stärksten ausgeprägt.) Eine zusätzliche Unterstützung könnte hier eine bessere Integration des Trainings in den betrieblichen Alltag bieten. (Lernen für ein Präsentationstraining sollte - sofern vom Betrieb gewünscht - in der Arbeitszeit stattfinden können und als Arbeit auch anerkannt sein.) (iii) Zwischen den Teilnehmern/innen finden nur wenig Kommunikation statt. (Obwohl es nicht zu scheint, lassen sich auch Themen aus dem Bereich des Präsentierens intensiv diskutieren, z.B. die Verwendung animierter Listenpunkt oder die Wahl von Schriftarten.) Förderlich für die Kommunikation hat sich das Kennenlernen am Präsenztag zu Beginn des Trainings erwiesen. Ein weiteres kommunikationsförderliches Mittel ist das Zusammenstellen sog. "Coaching"-Partnerschaften. (iv) Allgemein begrüßt wurde die Bereitstellung von (professionellen) Präsentationsbeispielen, da diese viele Anregungen für eigene Entwicklungen bieten. Ähnliches gilt auch für die "Tipps-und-Tricks"-Ecke, die auch durch Anregungen der Teilnehmer/innen gestaltet wird und wächst. (v) Die am Abschlusstag vorgestellten Präsentationen weisen durchweg eine beachtliche Qualität auf. Sie zeigen, dass sich die Teilnehmer/innen intensiv auch um den Einsatz neuer Techniken elektronischer Präsentationen bemüht haben und auch für Neues offen sind. Dass sie letztlich mit Freude gearbeitet haben, zeigen auch die Urteilswerte im Evaluationsbogen.