GOR 2001 Homepage

Contributions

Abstracts
Articles

article-info

Indices
first-author-index
complete-author-index

Management - Staff only
Infos

GOR 2001 - content

This is the http://kiwi.uni-psych.gwdg.de/congress/gor-2001/contrib/contrib/hahn-andre/hahn-andre Document.

Main Author: Hahn, André

Co-Authors: Jerusalem, Matthias ;

Institution: Pixelpark AG, Berlin

Contribution Title: Internetsucht: Befunde aus vier Online-Studien.

Authors Email: email@andre-hahn.de

URLs:
http://www.pixelpark.com/


Abstract German (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 3366)
German: Spätestens seit Erscheinen des Bestsellers "Caught in the net" von Kimberly Young (1998) wird auch in der deutschen Öffentlichkeit heftig über das Thema Internetsucht diskutiert. Zunächst dokumentierte nur die Vielzahl und die Dramatik glaubwürdiger Fallbeispiele die Ernsthaftigkeit der Problematik. Diese werden jedoch heute durch eine wachsende Zahl empirischer Studien gestützt.

Trotz unterschiedlicher diagnostischer Kriterien, Stichproben und Untersuchungsmethodiken wurden in den seit Anfang 1996 international bekannt gewordenen Arbeiten (etwa 15) übereinstimmend sehr hohe Prävalenzraten von 12 Prozent und mehr ermittelt. Insbesondere zwei methodische Mängel lassen sich in allen Studien ausmachen:
(a) keine oder mangelhafte psychometrische Messungen und
(b) mangelhafte Repräsentativität der Stichproben.
Ziel der ersten Pilotstudie war es deshalb, ein angemessenes psychometrisches Instrument zu entwickeln, die Prävalenz der Verhaltensauffälligkeit Internetsucht in der Bundesrepublik zu schätzen und sozio- und psychographische Risikogruppen zu identifizieren.

Im dreimonatigen Untersuchungszeitraum von Juli bis November 1999 beantworteten insgesamt 8851 Personen auf 30 Fragebogenseiten 158 Fragen (Ausschöpfungsquote: 71,2%). Die Stichprobe erwies sich im direkten Vergleich zu drei repräsentativen bundesdeutschen Studien nur im Hinblick auf den demographischen Faktor Alter als jünger. Zur Konstruktion des Instruments zur Erfassung der Internetsucht wurden sowohl Reliabilitätsanalysen wie auch exploratorische Faktorenanalysen durchgeführt, die zur Konstruktion von fünf partiell unabhängigen Subskalen führten:
(a) Kontrollverlust,
(b) Entzugserscheinungen,
(c) Toleranzentwicklung,
(d) negative Konsequenzen im Bereich soziale Beziehungen und
(e) negative Konsequenzen im Bereich Arbeit und Leistung.
Die gewählte Struktur des Instruments ließ sich durch eine konfirmatorische hierarchische Faktorenanalyse in einer zweiten Studie (N=1101) erfolgreich kreuzvalidieren. Hier fanden sich auch Hinweise auf eine hohe externe Validität der Skala, da hohe negative Korrelationen mit der Impulskontrolle nachgewiesen werden konnten.
Die Prävalenz der Internetsucht betrug in der Pilotstudie 3,18 Prozent. Diese Personen verbringen durchschnittlich 34 Stunden pro Woche im Internet. Betroffen sind insbesondere jüngere Männer und ältere Frauen, sowie Personen mit geringem sozialen Status. Personen ohne Lebenspartner sind doppelt so häufig betroffen wie Personen mit Lebenspartner. Internetabhängige nutzen signifikant häufiger Chat- und Kommunikationssysteme, spielen häufiger über das Netz und besuchen deutlich häufiger Erotikangebote im Netz. In den Studien drei (N=1397) und vier (N=1047) wurden mögliche personale Bedingungen wie Einsamkeit, Depressivität und soziale Konflikte, aber auch Explorationsfreude (Neugier) und Suggestibilität untersucht. Die Ergebnisse verweisen auf ein differentielles, multifaktorielles Bedingungsgeschehen (vgl. auch Hahn & Jerusalem, 2001). Diskutiert werden methodische Probleme sowie Implikationen für weitere Forschungsbemühungen.


Article preliminary article (version: 25/06/2002 - 07:47, size: 629)
view preliminary article - edit preliminary article - upload an image(for authors only)